Dissertation von Paul Felix Wegmann

Thema: "Vermutung und Fiktion"

Ziel der Untersuchung ist die Wiedergewinnung einer Perspektive, die es erlaubt, die Aspekte, die von der heute selbstverständlichen Sichtweise auf die Rechtsfiguren Vermutung und Fiktion verdeckt werden, erneut sichtbar zu machen. Vermutung und Fiktion sollen insofern wieder als Ausprägungen einer ihnen zugrundeliegenden einheitlichen Denkfigur erschlossen werden. Den ausgewiesenen Verdeckungsprozessen folgend, wird dabei zunächst die mit der begrifflichen Präzisierung verbundene Verengung des Begriffs untersucht. Besonderes Interesse weckt hier der Umstand, dass der konsentierten technischen Begrifflichkeit ungeachtet auch im Recht weiterhin abweichende Verwendungen auftreten, was auf die grundsätzliche Unabschliessbarkeit der Präzisierungen hinweist.

Sodann wird entgegen einer verbreiteten Nichtthematisierung als massgebliches konstruktives Element der untersuchten Figuren deren Bezugnahme auf Wirklichkeit unter Aufbau einer Abweichung herausgestellt. Eine Ausweitung ergibt sich dabei mit Blick auf die unterschiedlichen Bereiche des Tatsächlichen und des Rechtlichen, denen das In-Bezug-Genommene zugehören kann, so dass Wirklichkeit allgemeiner im Sinne einer Ebene des Primären zu fassen sein wird. Schliesslich werden die Erklärungen, die als Funktionszuschreibungen, aber auch hinsichtlich des Auftretens von Vermutungen und Fiktionen vorgebracht werden, problematisiert und demgegenüber konstatiert, dass die untersuchten Figuren grundsätzlich verzichtbar sind.