Dissertation von Matthias Nänni

Thema: "Märkte virtueller Welten"

Aus den textbasierten virtuellen Welten der späten 1980er-Jahre haben sich massentaugliche 3-D Umgebungen wie Second Life oder World of Warcraft entwickelt. „Massively Multiplayer Online Games“ (MMOG) haben als Fantasy-Rollenspiele, Plattformen für Social Networking und Meta-Spielumgebungen Tausende, Hunderttausende und in Einzelfällen Millionen regelmässiger Nutzer gewonnen. Diese loggen sich ein um zu spielen und zu chatten, aber auch zum Handel mit virtuellen Gütern aller Art, gegen Spiel- oder echtes Geld. Zumindest ein Teil der Nutzer verfolgt offensichtlich auch wirtschaftliche Interessen.

Die Dissertation untersucht virtuelle Welten und ihre Märkte aus einer privatrechtlichen Perspektive. Dazu erscheint die folgende Definition zweckmässig: Eine virtuelle Welt ist eine persistente (1), computergenerierte Umgebung (2), die Interaktion (3) zwischen einer Vielzahl von Nutzern (4) zulässt.

Im ersten Teil wird das Rechtsverhältnis zwischen Anbieter und Nutzer virtueller Welten analysiert, anhand der EULA (End User License Agreement) und der ToS (Terms of Service) der Anbieter sowie anhand ihrer Verlautbarungen und der Ausgestaltung der Umgebungen. Der zweite Teil der Dissertation behandelt virtuelle Güter als Objekte des Rechts. Ziel ist eine rechtliche Würdigung der üblicherweise gehandelten virtuellen Güter (virtuelle Gegenstände, Avatare, Benutzerkonten) aus sachen-, immaterialgüter- und obligationenrechtlicher Perspektive. In diesem Rahmen erfolgt eine rechtstheoretische und rechtsdogmatische Auseinandersetzung mit dem Konzept des „Virtuellen Eigentums“, wie es in Ländern des Common Law propagiert wird. Der dritte und letzte Teil untersucht den Handel mit virtuellen Gütern gegen echte Währung. In diesem Bereich wird die internationale und interdisziplinäre Diskussion am intensivsten und am emotionalsten geführt. Tatsächlich wirft der sog. Real Money Trade („RMT“) eine Reihe von praktischen Fragen auf: Umstritten ist insbesondere die Zulässigkeit des Handels oder umgekehrt die Zulässigkeit, die Grundlagen und die Durchsetzung eines Handelsverbotes, sowie die Grundlage und der Umfang einer allfälligen Haftung als Folge des RMT.

Die Untersuchung folgt bewusst dem schweizerischen Recht: Sie eignet sich so zum einen als Modell des Rechtsschutzes virtueller Güter nach einer kontinentaleuropäischen Rechtsordnung, zum andern als konkrete Darstellung einer potentiell wählbaren Rechtsordnung.

Rezension sic! 9/2009 von Stefan Bürge (PDF, 66 KB)