Dissertation von Martin Monsch

Thema: "Hochfrequenzhandel"

Untersuchungsgegenstand der Dissertation sind mit dem Hochfrequenzhandel und den Dark Pools zwei Phänomene, welche die Finanzmärkte in den letzten Jahren grundlegend veränderten. Als Hochfrequenzhandel (high-frequency trading) werden Handelspraktiken bezeichnet, die von Reaktionen im Milli- und Mikrosekundenbereich abhängen und bei denen daher die einzelnen Auftragsparameter durch Computerprogramme bestimmt werden. Dark Pools sind elektronische Handelsplattformen, die durch eine eingeschränkte Transparenz gekennzeichnet sind und gewöhnlich von Banken oder Börsen betrieben werden. Marktbeobachter und Investoren haben verschiedentlich ihre Besorgnis über diese Entwicklungen geäussert. Negative Effekte auf die Marktqualität, höhere Transaktionskosten für institutionelle Anleger und systemische Risiken werden ins Feld geführt. Dadurch gerieten Hochfrequenzhandel und Dark Pools zunehmend ins Visier der Regulatoren, so namentlich in den USA, Deutschland sowie der EU.

Zu den von den Hochfrequenzhändlern angewendeten Handelsstrategien gehören das Market Making sowie News-Trading-, Arbitrage- sowie antizipierende Strategien. Ferner werden ihnen auch manipulative Verhaltensweisen vorgeworfen. Antizipierende Strategien verfolgen das Ziel, das Verhalten anderer Marktteilnehmer im Voraus zu erkennen. So werden namentlich Grossaufträge von Investoren aufgespürt. Dieser Umstand wiederum führte dazu, dass Investoren nebst der Stückelung ihrer Aufträge vermehrt Dark Pools aufsuchten, die den Marktteilnehmern keinen Einblick in das Orderbuch gewähren. Hochfrequenzhändler sind allerdings auch in Dark Pools aktiv. Mit sogenannten Liquidity-Detection-Strategien werden kleine Orders in Dark Pools mit dem Ziel platziert, Informationen zur Auftragslage zu erlangen. Darauf reagierten Handelsplätze unter anderem, indem sie den Investoren die Möglichkeit offerieren, eine Mindestausführgrösse zu bestimmen. Banken bieten ihrerseits ihren Kunden Algorithmen an, die die Antizipation durch Hochfrequenzhändler verhindern sollen. Allerdings wird Banken auch vorgeworfen, ihre Kunden nicht über die Aktivität von Hochfrequenzhändlern in den von ihnen betriebenen Dark Pools informiert zu haben. Ein Verfahren in dieser Hinsicht läuft aktuell gegen die britische Bank Barclays in New York. Hochfrequenzhandel und Dark Pools sind somit eng miteinander verknüpft, sodass die Regulierung des einen Bereichs häufig Auswirkungen auf den jeweils anderen Bereich hat. Aufgrund dieser Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sowie der vielfach identischen Fragestellungen erscheint eine gemeinsame Untersuchung dieser zwei Phänomene angezeigt.

Primäre Ziele des Dissertationsprojekts sind eine Beschreibung der Phänomene Hochfrequenzhandel und Dark Pools sowie derer Zusammenhänge, eine umfassende Darstellung der rechtlichen Erfassung derselben nach europäischem und schweizerischem Recht sowie die Beantwortung der Fragen nach der Notwendigkeit und Ausgestaltung regulatorischer Modifikationen. Für das letzte Ziel sollen in einem ersten Schritt die Wirkungen der Phänomene auf verschiedene Marktqualitätsparameter hin untersucht und allfällige systemische Risiken identifiziert werden. In einem zweiten Schritt sollen verschiedene regulatorische Massnahmen auf ihre ökonomischen Auswirkungen sowie ihre Eignung zur Reduktion systemischer Risiken hin gewürdigt werden. Aufgebaut wird dabei auf die ökonomischen Modelle und empirischen Studien, die sich diesen Themen widmen.