Studienreform Bologna 2021

Mitteilung der Dekanin an die Studierenden der Rechtswissenschaftlichen Fakultät

Liebe Studierende

Wie Sie vielleicht im letzten "UZH Journal" gelesen oder anderweitig gehört haben, arbeitet die Rechtswissenschaftliche Fakultät zurzeit an einer Studienreform. Gerne möchte ich Sie über den aktuellen Stand informieren.

Auslöser der Reform war eine im Jahr 2016 vom Universitätsrat erlassene Muster-Rahmenverordnung, welche fakultätsübergreifend gewisse Vereinheitlichungen verlangt. Alle Fakultäten der UZH sind gehalten, ihre Studiengänge an die Muster-RVO anzupassen. Die RWF nahm dies zum Anlass, ihre Studiengänge von Grund auf zu überprüfen und zu optimieren. Die Fakultätsversammlung hat dazu am 27. März 2019 ein Konzept verabschiedet. Dieses sieht folgende Eckpunkte der Reform vor:

1. Der Bachelor- und der Masterstudiengang werden stärker als Einheit konzipiert. Die "Kernfächer" – insbesondere die praxisrelevanten – sollen besser über den gesamten Studiengang verteilt werden. Aus diesem Grund werden in der Masterstufe neu Pflichtmodule im Umfang von 30 ECTS Credits eingeführt, was einem Drittel des Masterstudiengangs entspricht.

In den neuen Pflichtblock auf Masterstufe werden zum einen bisherige Module der Bachelor-Aufbaustufe verschoben, um Letztere zu entlasten. Dies betrifft folgende Fächer:

  • Zivilverfahrensrecht
  • Wettbewerbsrecht, Immaterialgüterrecht sowie weitere Aspekte des (internationalen) Wirtschaftsrechts
  • Steuerrecht

Zum andern soll der Pflichtblock dazu genutzt werden, um im Straf- und Strafprozessrecht einen Wiederholungs- und Vertiefungskurs durchzuführen.

2. Die bisherigen spezialisierten Masterstudiengänge (Rechtspraxis, Wirtschaftsrecht, Öffentliches Recht) werden nicht weitergeführt, weil dafür nur eine sehr geringe Nachfrage besteht. Hingegen wird spezifisch, aber nicht nur für ausländische Studierende ein separater englischsprachiger Masterstudiengang "International and Comparative Law" eingeführt. Dieser ist als Master im Umfang von 90 ECTS Credits konzipiert, wobei im Rahmen der Double-Degree-Programme eine reduzierte Variante im Umfang von 60 ECTS Credits angeboten wird.

3. Die Bachelor-Aufbaustufe wird, wie bereits erwähnt, entlastet. Dadurch soll insbesondere mehr Raum geschaffen werden für die Module OR und ZGB. Der Allgemeine Teil des OR und das Haftpflichtrecht werden von der Assessment- in die Aufbaustufe verlegt (3. und 4. Semester), wogegen das Römische Privatrecht von der Aufbaustufe in die Assessmentstufe verschoben wird.

4. Die heutigen zusammengesetzten Module in den Wahlpflichtpools Grundlagen, Strafrecht sowie Zivil- und Zivilverfahrensrecht, deren Leistungsnachweise aus separaten Teilprüfungen bestehen, werden in dieser Form abgeschafft (wie bereits das Modul Transnationales Recht). Aus den bisherigen Teilmodulen werden selbständige Module, soweit sie in der Bachelorstufe beibehalten werden.

5. Die wissenschaftliche Schreibkompetenz soll gezielt gefördert werden, indem im 1. Semester neu – neben der bereits bestehenden Lehrveranstaltung "Juristische Arbeitstechnik" – eine Veranstaltung "Wissenschaftliches Schreiben" eingeführt wird, gefolgt von einem Proseminar im 3. Semester, welches die Studierenden besser auf die Bachelorarbeit vorbereiten soll.

6. In der Masterstufe soll neu eine fakultative "Liberal Arts Option" (LAO) im Umfang von 30 ECTS Credits eingeführt werden, zusätzlich zu den 90 ECTS Credits des Masterstudiengangs. Dadurch soll interessierten Studierenden insbesondere der Zugang zum "Digital Skills"-Lehrangebot ermöglicht werden, welches derzeit auf überfakultärer Ebene im Entstehen begriffen ist. Die LAO ist ein neues Konzept gemäss der Muster-RVO von 2016 und stellt eine Alternative zu einem Minor-Studienprogramm (Nebenfach) dar. Die LAO unterscheidet sich von einem Minor wie folgt:

  • Sie führt nicht zu einem Studienprogrammabschluss (wohl aber zur Aufnahme der betreffenden Module in den Academic Record).
  • Sie hat keinen Einfluss auf die Gesamtnote.
  • Sie bietet hinsichtlich der Zusammenstellung der Module eine grössere Flexibilität, was die Eigenverantwortung der Studierenden stärkt.

7. Schliesslich soll der bisherige Erstsemestrigentag zu einer viertägigen Blockveranstaltung "Einführung in das Studium" erweitert werden. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist freiwillig, ohne Leistungsnachweis.

Der reformierte Studiengang wird auf das Herbstsemester 2021 in Kraft treten. Viele Fragen sind derzeit jedoch noch offen. So ist insbesondere noch offen, ob im HS 2021 erst der neue Bachelor- oder auch schon der neue Masterstudiengang starten wird; denn die Übergangsordnung liegt noch nicht vor. Diese werden wir in den nächsten Monaten erarbeiten. Wir können Ihnen aber zusichern, dass wir den Übergang vom jetzigen in den reformierten Studiengang so sanft wie möglich abfedern werden. Selbstverständlich werden wir Sie zu gegebener Zeit wieder informieren.

Sollten bereits heute Fragen zur Studienreform auftauchen, steht Ihnen die Studienberatung unserer Fakultät wie immer gerne zur Verfügung, soweit die Fragen beim jetzigen Stand der Reform bereits beantwortet werden können.

Ich wünsche Ihnen weiterhin ein spannendes und erfolgreiches Frühjahrssemester.

Mit herzlichen Grüssen

Prof. Dr. iur. utr. Brigitte Tag, Dekanin