Wettbewerb der Rechtsordnungen – schweizerisches und deutsches Vertragsrecht im Vergleich

Informationen zum Seminar

Das Seminar im HS19 wird von folgenden Dozenten gemeinsam abgehalten:

  • Prof. Dr. Ulrike Babusiaux, Universität Zürich
  • Dr. Alessia Dedual, Universität Bern/Zürich

Inhalt:

Das schweizerische Privatrecht erfreut sich bei der Rechtswahl in grenzüberschreitenden Verträgen grosser Beliebtheit. Als Grund hierfür werden die Neutralität der Schweiz, die Mehrsprachigkeit der schweizerischen Rechtsordnung aber auch die Liberalität des schweizerischen Privatrechts genannt. Für deutsche Vertragsparteien kommt oftmals hinzu, dass das schweizerische Recht als dem deutschen Recht nahe stehend angesehen wird, so dass man meint, dem Vertragspartner mit der Wahl des Rechts eines Drittstaates entgegenkommen zu können, gleichzeitig aber nicht auf bekannte Vorteile des eigenen Rechts verzichten zu müssen. Aber wie nah stehen sich das schweizerische und deutsche Vertragsrecht wirklich? Macht es für die Parteien tatsächlich keinen Unterschied, ob deutsches oder schweizerisches Vertragsrecht zur Anwendung kommt? Welche Abweichungen sind in Konstruktion und Ergebnissen für einzelne Fragestellungen zu beobachten? Wann bedeutet die Rechtswahl des einen oder des anderen Rechts einen konkreten Vorteil für eine Streitpartei? Wie wirkt sich die europäische Harmonisierung, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz ihre Folgen zeitigt, im jeweiligen Bereich aus?

Das Seminar soll diese und andere Fragen durch einen funktionalen Rechtsvergleich von schweizerischem und deutschem Vertragsrecht analysieren und beantworten helfen. Zu diesem Zweck sollen sich die Studierenden in die jeweilige Dogmatik und Rechtspraxis des schweizerischen und deutschen Rechts einarbeiten, um sodann die Vor- und Nachteile einer Regelung für die Vertragsparteien zu analysieren. Diese Kosten-Nutzen-Analyse soll u.a. nach Grundsätzen der Ökonomik durchgeführt werden, ist aber nicht auf diese beschränkt.

Voraussetzungen:

Das Seminar steht Bachelor- und Masterstudierenden offen, die bereits Kenntnisse im Obligationenrecht erworben haben (= erfolgreicher Abschluss des 2. Studienjahres). Die Seminarleistung besteht in der Anfertigung einer schriftlichen Seminararbeit (ca. 20 Seiten Bachelor, ca. 30 Seiten Masterstudierende) und in einem mündlichen Vortrag sowie in der aktiven Beteiligung an der Diskussion am Termin des Seminars.

Anmeldung:

Die Anmeldefrist ist bereits abgelaufen.

Termin:

Das Seminar findet als Blockveranstaltung am 8. und 9. November 2019 in der UZH Zürich Zentrum statt. Informationen zum Ablauf und zu den Räumen folgen später.

Einführende Literatur:

Stefan Vogenauer, Regulatory Competition through Choice of Contract Law and Choice of Forum in Europe: Theory and Evidence, European Review of Private Law 2013, 13-78.

Gerhard Wagner, Privatrechtsdogmatik und ökonomische Analyse, in: Marietta Auer et al. (Hrsg.), Festschrift für Claus-Wilhelm Canaris zum 80., Berlin/Boston 2017, 281-318.

Themenliste:

  1. Ein Blick zurück: Der Dresdner Entwurf zum Obligationenrecht von 1866 und seine Rezeption in OR und BGB
  2. Culpa in contrahendo und Vertrauenshaftung
  3. AGB-Kontrolle und missbräuchliche Klauseln zwischen Geschäftsleuten
  4. Konventionalstrafe und richterliche Vertragskontrolle
  5. Haftung bei Irrtum und Wegfall der Geschäftsgrundlage
  6. Verzugsfolgen und Vertragsaufhebung wegen Verzögerungen
  7. Kaufrechtliche Sachmängelgewährleistung
  8. Kaufrechtliche Rechtsmängelgewährleistung
  9. Haftung des Werkunternehmers für Herstellungsverzug
  10. Haftung des Werkunternehmers für Mängel
  11. Haftung des Beauftragten und Kündigungsrecht beim Auftrag
  12. Bürgschaftsrecht zwischen Kaufleuten
  13. Darlehen zwischen Geschäftsleuten
  14. Ein Blick nach vorn: E-commerce und Digitalisierung im schweizerischen und deutschen Vertragsrecht