Prof. Dr. iur. Matthias Mahlmann

Lehrstuhl für Philosophie und Theorie des Rechts, Rechtssoziologie und Internationales Öffentliches Recht Universität Zürich

Universitätsstrasse 84, CH-8006 Zürich

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Hinweise zu aktuellen Lehrveranstaltungen

Frühjahrssemester 2021

Seminar bei Dr. Anne Kühler (Oberassistentin Grundlagen) 

Migrationsrecht: Aktuelle Perspektiven und Grundlagen

Das Seminar wird gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Bernd Ladwig, Professor für politische Theorie und Philosophie (Freie Universität Berlin), durchgeführt.

Seminare HS 2021

Seminar Schuld und Freiheit in Recht und Literatur mit Lukas Bärfuss

Foto Lukas Bärfuss

Schuld und Verantwortung aufgrund von anderen zugefügten, manchmal auch selbst erlittenen Übeln bilden Grundkategorien der Moral. Schuld und Verantwortung sind auch Grundbegriffe des Rechts, nicht nur des Strafrechts. Gleichzeitig bilden diese Begriffe zentrale Gegenstände der kulturellen Reflexion. Kunstformen wie die Tragödie kreisen um diese Begriffe, grosse Kunstwerke gehen den vielen Wegen der möglichen Verstrickung in Schuld von einzelnen, aber auch von Gemeinschaften nach und zeigen die menschliche Not und Dramatik der menschlichen Wirklichkeit, die hinter diesen Begriffen liegt.

Schuld und Verantwortung sind dabei problematische und schwierige Begriffe. Was heisst Schuld? Was sind ihre Voraussetzungen? Sind etwa die Konkretisierungen, die sich in verschiedenen Rechtsgebieten für Schuld und Verantwortlichkeit finden, überzeugend? Wenn ja – warum? Wenn nein – warum nicht? Ist Schuld überhaupt eine haltbare Kategorie für normative Ordnung, oder ist sie ein vergängliches kulturelles, vielleicht letztendlich religiös begründetes Konstrukt? Sind nicht Menschen, sondern die gesellschaftlichen Strukturen in denen sie leben eigentlich verantwortlich für das, was sie tun?

Schuld ist mit der Freiheit der Menschen verwoben und setzt sie voraus. Nur wem verschiedene Wege des Handelns offenstehen, kann schuldig werden und Verantwortung für das besitzen, was er getan hat, tun könnte, oder tun wird. Auch die Freiheit ist aber ein problematischer Begriff. Die Frage, wie frei Menschen wirklich sind, begleitet sie seit langem und wird ganz unterschiedlich aus verschiedenen kulturellen, philosophischen, religiösen oder naturwissenschaftlichen Perspektiven beantwortet. Welche Folgen hat das für die Vorstellung von Schuld und Verantwortung im Recht?

Das Seminar will diesen Fragen aus rechtlicher und rechtsphilosophischer Perspektive nachgehen. Grundkonzeptionen von Schuld, rechtlicher Verantwortungszuschreibung und Freiheit in verschiedenen Rechtsgebieten, insbesondere dem öffentlichen Recht und Strafrecht sollen rekapituliert und ihre theoretischen Grundlagen nachgezeichnet werden. Dabei soll aber der Schritt aus der nur rechtlichen Reflexion hinein in die Literatur gemacht werden: Der Spiegel der Literatur soll genutzt werden, um diese abgründigen Begriffe weiter auszuloten.

Das Seminar wird zusammen mit Lukas Bärfuss abgehalten. Lukas Bärfuss ist einer der bekanntesten schweizerischen Autoren der Gegenwart und Träger des Georg-Büchner Preises 2019, des wichtigsten Preises der deutschsprachigen Literatur (https://www.lukasbaerfuss.ch; http://www.facebook.com/lukasbaerfuss)

Das Seminar ist Teil einer neugeschaffenen Gastprofessur an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, die im Herbstsemester 2021 an Lukas Bärfuss vergeben wird. In diesem Rahmen wird auch eine grosse öffentliche Vorlesung gehalten, die sich an die allgemeine Öffentlichkeit richtet.

 

Gerechtigkeit, Gewalt, Krieg und Verbrechen – Neue Perspektiven aus Psychologie, Behavioural Economics, Evolutionstheorie und Neurowissenschaften?

Prof. Stephen J. Morse

Das Seminar wird der Frage nachgehen, ob Psychologie, Behavioural Economics, Evolutionstheorie und Neurowissenschaften der Gegenwart neue Perspektiven auf Grundlagenfragen verschiedener Rechtsgebiete ermöglichen, wobei insbesondere das öffentliche Recht und das Strafrecht, nicht zuletzt in Bezug auf Grund- und Menschenrechte, den Schwerpunkt des Interesses ausmachen werden. Im Zentrum des Seminars steht das zentrale Anliegen des Rechts, Gewalt zu verhindern. Dies geschieht durch das Gewaltmonopol des Staates, das sich in der Neuzeit herausgebildet hat, aber bis heute in verschiedenen politischen Ordnungen mit zerstörerischen Folgen in Frage gestellt und manchmal auch beseitigt wird.

Die Eindämmung von Gewalt ist auch ein zentrales Ziel der einzelnen Rechtsgebiete. Das Privatrecht schafft Regelungen, der Konflikte zwischen Privaten in der grossen Vielfalt ihrer möglichen Konstellationen bewältigen können. Das Strafrecht richtet sich auf sozialschädliches und individualverletzendes Verhalten von Einzelnen gegenüber Anderen, um durch Androhung und Verhängung von Strafsanktionen das gewaltfreie Miteinander in der Gesellschaft zu sichern. Im öffentlichen Recht geht es unter anderem um die Sicherung gesellschaftlichen Friedens im Verhältnis der Bürger und Bürgerinnen untereinander aber auch um den Schutz der einzelnen gegen die Gewalt des Staates. Das Recht insgesamt soll so eine friedliche Bewältigung von Konflikten ermöglichen, die sich auf ganze Gruppen einer menschlichen Gemeinschaft erweitern können, bis hin zum Bürgerkrieg. Zwischen Staaten und politischen Gemeinschaften bildet das Recht des Krieges (ius ad bellum, ius in bello) in seinen verschiedenen Ausprägungen den Versuch, gewalttätige Konflikte zu verhindern, und wenn nicht zu verhindern, zumindest in Bahnen zu lenken die, um es mit Hugo Grotius zu sagen, einen Frieden nach dem Schweigen der Waffen weiter möglich erscheinen lassen.

In der Gegenwart ist eine Vielfalt von Theorien entwickelt worden, die sich in neuer Weise mit den Ursprüngen von Gewalt, Verbrechen und den moralischen und rechtlichen Reaktionen auf sie beschäftigen. Diese Perspektiven stammen aus der Psychologie, der Evolutionstheorie, der Behavioural Economics, und den Neurowissenschaften. Sie vereint das Erkenntnisinteresse, durch genaueres Verständnis der geistigen Mechanismen, die Gewalt und Verbrechen, aber auch Moral und Recht unterliegen, neue Einsichten zu diesen Grundphänomenen menschlicher Gesellschaften und Existenz zu produzieren. Dabei handelt es sich um höchst einflussreiche Forschungsparadigmen der Gegenwart, die zum Teil das klassische Verständnis von Ethik und Recht, seiner Natur und Funktion in Frage stellen, zum Teil aber auch in neuem, ermutigendem Licht erscheinen lassen.

Das Seminar wird vor diesem Hintergrund das Verhältnis von Gerechtigkeit, Gewalt, Krieg und Verbrechen und seine Bedeutung für rechtliche Strukturen reflektieren. Dabei werden Grundphänomene des Rechts ebenso rekonstruiert wie die theoretischen Strömungen, die neue Erkenntnisse versprechen.

Die gegenwärtige politische Welt ist durch eine Vielzahl schwerer bewaffneter Konflikte gekennzeichnet. Es gibt besorgniserregende Anzeichen, dass die internationale Rechtsordnung, die sich auf die Verhinderung von gewalttätigen Konflikten und Krieg richtet, in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat. Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie rechtspraktisch und rechtspolitisch bedeutsam es ist, sich über die Wurzeln von Gewalt und Verbrechen sowie der moralischen und rechtlichen Reaktionen hierauf in theoretisch fundierter Weise Rechenschaft

Das Seminar wird zusammen mit Prof. Stephen J. Morse (University of Pennsylvania Law School) unterrichtet. Er ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler im Bereich von Recht, Psychologie und Neurowissenschaften.

Die Vergabe der Seminarplätze erfolgt auf Grundlage eines kurzen Motivationsschreibens. Sie erfolgt umgehend. Die Seminarsprachen sind Deutsch und Englisch. Im Laufe des Semesters wird eine Vorbesprechung des Seminars durchgeführt. Bei Interesse melden Sie sich bitte per Mail (adressiert an Frau Youlo Wujohktsang, youlo.wujohktsang@rwi.uzh.ch und lst.mahlmann@rwi.uzh.ch) mit einem Motivationsschreiben und nennen Sie drei thematische Präferenzen.

Mahlmann Seminarankündigung_Gerechtigkeit, Gewalt, Krieg und Verbrechen (PDF, 106 KB)

Aktuelle Beiträge

Was hat Gott eigentlich noch in unserer Verfassung verloren?

Interview mit Lukas Meyer, Blue News, 04.04.2021

"Begnadigung bedeutet keine Urteilskorrektur"

Prof. Matthias Mahlmann im Gespräch mit Simone Hulliger im SRF Echo der Zeit vom 20.01.2021.

Recht und Literatur im UZH Magazin

Kreons Zwiespalt 

Prof. Matthias Mahlmann und Lukas Bärfuss im Gespräch mit dem UZH Magazin über die vielfältigen Verbindungen zwischen Recht und Literatur. 

"Es wird nicht bestraft, was man denkt, sondern was man tut"

Interview zur Anti-Rassismus-Strafnorm mit Prof. Mahlmann im  Beobachter vom 30.01.2020

Selbstbestimmung im deutschen Grundgesetz

Gastkommentar von Prof. Mahlmann in der Neuen Zürcher Zeitung vom 12.09.2018

Demokratie ohne Rechtsstaat?

Blogbeitrag von Prof. Mahlmann vom 06.09.2018  im Online-Magazin  Geschichte der Gegenwart

 

Podcasts

Tagung "Remaking the UK Constitution: Politics and Process", 22./23.02.2019

Vortrag und Panelbeitrag von Prof. Matthias Mahlmann (session 4: The flexibility of a new constitution) an der "Conference on Remaking the UK Constitution: Politics and Process", organisiert vom Bonavero Institute of Human Rights (University of Oxford), 22./23.02.2019.

Flyer Konferenz

Hedi Fritz-Niggli Visiting Professor

Prof. Martha C. Nussbaum (University of Chicago) war im Dezember 2018 Hedi Fritz-Niggli Visiting Professor an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.

Prof. Martha C. Nussbaum, 19.12.2018: "Anger, Powerlessness, and the Politics of Blame"

SVRSP Rousseau Lectures 2017

Die SVRSP Rousseau Lectures fanden vom 15.-17. November 2017 in Zürich statt. Prof. John Mikhail referierte zum Thema "The Sense of Justice, Private Interest, and Public Duty in the Age of Trump".

Podcast I - 15.11.2017

Podcast II - 16.11.2017

Bildergalerie

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Tagesgespräch "Flüchtlingskrise und Menschenwürde"

Am 11.11.2015 strahlte Radio SRF 1 ein Interview mit Prof. Dr. iur. Matthias Mahlmann über die Flüchtlingskrise und Menschenwürde aus. Das Tagesgespräch ist über den folgenden Link zugänglich:

Webseite Radio SRF 1

Podcasts von Gastvorträgen

Prof. Martha C. Nussbaum, 19.12.2018: "Anger, Powerlessness, and the Politics of Blame"